Corpsgeschichte

Eine kleine Corpsgeschichte

Wichtige Ereignisse im Leben des Corps

Am ersten königlich-bayrischen Forstinstitut in Aschaffenburg bestand bereits seit 1821 eine studentische Verbindung Arminia. Das Forstinstitut wurde 1832 aufgehoben, aber am 10. April 1844 wiedergegründet. Im Oktober des gleichen Jahres gründeten einige Forststudenten eine gesellige Vereinigung in Form einer Landsmannschaft; in einem am 7. Dezember 1844 abgehaltenen Convent gaben sie ihrer Verbindung den Namen »Arminia« und wählten die Farben grün-gold-weiß; vom gleichen Tag sind auch die ersten »Statuten der Arminia« datiert. Der auf sechs Burschen beschränkte innere Kreis bildete den tragenden Kern, der sich als »Corps« der Landsmannschaft bezeichnete. Am 4. Januar 1845 wurde die Verbindung Arminia feierlich und endgültig zum »Corps« erklärt, mit der Bestimmung, daß dieser Tag als »Stiftungstag« zu gelten habe. Die Grundsätze der dann zur »Konstitution des Corps Arminia« ausgebauten Statuten gelten sinngemäß noch heute; zahlreiche Nachkommen der Angehörigen jener ersten Arminia von 1821 haben sich nach Jahren dem Corps angeschlossen.

Mit der Verlegung des forstwissenschaftlichen Lehrbetriebs an die Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahre 1910 wurde das Corps Arminia zusammen mit den zwei anderen Aschaffenburger Corps Hubertia und Hercynia in den Verband der Münchener Universitätscorps (Münchener Senioren Convent, MSC) und in den Dachverband der Universitätscorps (Kösener Senioren Convents Verband, KSCV) aufgenommen. Sein jetziges Corpshaus in der Schönfeldstraße 22 hat das Corps Arminia im Jahre 1921 erworben. 1935 wurde das Corps zwangsweise aufgelöst (»suspendiert«) und 1949 wiedergegründet (»rekonstituiert«).

In den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts blieb auch das Corps Arminia nicht unberührt von der Propaganda für die Lehrmeinungen einer neomarxistischen »Diskursethik«. Die seit Mitte der 90er Jahre besonders augenfällig gewordenen negativen Folgen dieser Ethik haben inzwischen kompensatorisch zu einem erneuten Wertewandel geführt; heute wird wieder als sinnvoll gehalten, daß Jugendliche – fortschrittskonservativ – neben dem legitimen Streben nach Selbstverwirklichung ihrer individuellen Möglichkeiten – zum Beispiel auf der Kneipe, im Gesang und auf der Mensur – auch »die Gesprächsgeselligkeit des unendlichen Gesprächs pflegen, das jeden zu Wort kommen läßt, ohne zeitliches Limit und ohne Einigungszwang« (Odo Marquard). In der Diskursethik – etwa von Apel und Habermas – waren unterschiedliche Meinungen lediglich in einer Anfangskonstellation gestattet; und im Endzustand wäre niemand mehr anders als die Anderen gewesen: Alle wären zu Knechten des Konsensdrucks gemacht worden, das heißt zu Knechten dessen, der den Konsensdruck verwaltet.

Konrad Ibel