Corps

Das Corps Arminia

Jeder Mensch ist auf soziale Normen angewiesen. Woher kann, woher soll er sie nehmen?

Solange er noch unmündig war, richtete er sich natürlich nach seinen Eltern und als Schüler nach seinen Lehrern. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit drängen sich andere Autoritäten auf, zum Beispiel die Kommentatoren Massenmedien und die Fachleute der Werbewirtschaft. Die Repräsentanten von Organisationen und Institutionen registrieren jedes von der Norm abweichende Verhalten der sich ihnen anvertrauenden Individuen und versuchen sie zu kontrollieren und zu beeinflussen.

Doch es gibt besseres als sich der Propaganda zu unterwerfen und auf eigene freie Entscheidungen zu verzichten. Es gibt die Neugier auf das Andere und die Suche nach dem Anderen, die am besten im sozialen Mesokosmos, in der kleinen Gruppe, in differenzierten und wohlgeordneten sozialen Systemen befriedigt wird. Hier lernt es der mündige Mensch die Normen und Werte seiner Mitmenschen zu berücksichtigen und zu achten. Hier eröffnen sich neue Horizonte, hier gewinnt er Freiheit für seine Entscheidungen; und diese Freiheit ist ihm ein Geschenk des Himmels.

Geschichte

Die Arminia ist aus dem Geiste der Französischen Revolution wie auch aus der als Idealismus bezeichneten Epoche, am 1. April 1845 in Aschaffenburg entstanden.

Die Arminianer pflegen die in dieser Zeit geprägten Prinzipien als weltanschaulich, politisch, wissenschaftlich und religiös neutrale Verbindung. Sie statuierte auch das Gleichheits- und Demokratieprinzip und die Brüderlichkeit. Im Corpsleben sowie im Alltag versuchen die Corpsstudenten auch Ritterlichkeit zu verkörpern und zu leben.

Im Jahre 1807 entstand in Aschaffenburg das erste Forstinstitut. In den 1820er Jahren gab es an dieser Hochschule eine sich als „Arminia“ bezeichnende Burschenschaft, welche sich über die Umwege der Verbindung „Sulphuritia“ und der Landsmannschaft „Arminia“ am 4. Januar 1845 als Corps konstituierte. Gemeinsam mit den anderen beiden Aschaffenburger Corps, Hubertia und Hercynia, bildete die Arminia im Jahre 1856 den Aschaffenburger Senioren-Convent (SC). Aufgrund der Schließung der Forsthochschule im Jahre 1910, siedelten die Aschaffenburger Corps am 31. Juli nach München über und wurden im selben Jahr in den Münchner Senioren-Convent aufgenommen.

In den Jahren des Ersten Weltkriegs ruhte der aktive Corpsbetrieb. 1920 erwarb der Corpshausverein das Anwesen in der Schönfeldstraße, auf dem sechs Jahre später, nach An- und Umbaumaßnahmen, das Corpshaus eingeweiht wurde.

Unter dem Eindruck der durch die Nationalsozialisten erzwungenen Änderungen der Wesensmerkmale (wie z. B. das Führerprinzip oder die Durchsetzung der Ariergrundsätze) löste der Philisterausschuss 1936 das Corps auf. Daraufhin wurde im Corpshaus die Kameradschaft „Paul de Lagarde“ untergebracht, welcher Dank eines bestehenden Mietverhältnisses mit der „Deutschen Jägerschaft“ das Haus nicht übereignet werden musste. Am 6. Januar 1945, zwei Tage nach dem 100. Stiftungstag, wurde das Haus durch Fliegerbomben zu 2/3 zerstört.

In den Jahren 1946 bis 1948 wurde das Haus wiederhergestellt. 1949 verpachtete der Corpshausverein die untere Etage des Nordflügels an die bis heute bestehende Gaststätte „Halali.“

Am 24. Mai 1949 wurde der Corpsbetrieb wieder aufgenommen. Von 1949 bis 1952 beherbergte die Arminia in ihrem Hause die Corps Bavaria, Palatia, Franconia, Ratisbonia, Transrhenania und Rheno-Palatia. 1951 wurde der Münchner Senioren-Convent auf dem Arminianerhaus gegründet.